Familienzusammenführung

Viele junge Flüchtlinge, die unbegleitet nach Deutschland eingereist sind, haben ihre Familien schon in ihren Herkunftsländern verlassen müssen oder wurden auf der Flucht voneinander getrennt. Ein zentrales Thema für diese jungen Menschen ist folglich die Frage der Familienzusammenführung bzw. des Familiennachzugs.

Der Nachzug der Eltern und sonstiger Familienangehöriger eines in Deutschland lebenden unbegleiteten Minderjährigen ist in § 36 AufenthG geregelt.  

§ 36a Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten

(1) Dem Ehegatten oder dem minderjährigen ledigen Kind eines Ausländers, der eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Absatz 2 Satz 1 zweite Alternative besitzt, kann aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden. Gleiches gilt für die Eltern eines minderjährigen Ausländers, der eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Absatz 2 Satz 1 zweite Alternative besitzt, wenn sich kein personensorgeberechtigter Elternteil im Bundesgebiet aufhält; § 5 Absatz 1 Nummer 1 und § 29 Absatz 1 Nummer 2 finden keine Anwendung. Ein Anspruch auf Familiennachzug besteht für den genannten Personenkreis nicht. Die §§ 22, 23 bleiben unberührt.

(2) Humanitäre Gründe im Sinne dieser Vorschrift liegen insbesondere vor, wenn

1. die Herstellung der familiären Lebensgemeinschaft seit langer Zeit nicht möglich ist

2. ein minderjähriges lediges Kind betroffen ist,

3. Leib, Leben oder Freiheit des Ehegatten, des minderjährigen ledigen Kindes oder der Eltern eines minderjährigen Ausländers im Aufenthaltsstaat ernsthaft gefährdet sind oder

4. der Ausländer, der Ehegatte oder das minderjährige ledige Kind oder ein Elternteil eines minderjährigen Ausländers schwerwiegend erkrankt oder pflegebedürftig im Sinne schwerer Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten ist oder eine schwere Behinderung hat. Die Erkrankung, die Pflegebedürftigkeit oder die Behinderung sind durch eine qualifizierte Bescheinigung glaubhaft zu machen, es sei denn, beim Familienangehörigen im Ausland liegen anderweitige Anhaltspunkte für das Vorliegen der Erkrankung, der Pflegebedürftigkeit oder der Behinderung vor.

Monatlich können 1 000 nationale Visa für eine Aufenthaltserlaubnis nach Absatz 1 Satz 1 und 2 erteilt werden. Das Kindeswohl ist besonders zu berücksichtigen. Bei Vorliegen von humanitären Gründen sind Integrationsaspekte besonders zu berücksichtigen.

DRK-Fachinformationen zum Nachzug zu umF mit subsidiärem Schutz (2020)
Der DRK-Suchdienst hat Fachinformationen zusammengestellt, die einen Überblick zum Familiennachzug zu subsidiär schutzberechtigten Personen geben. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Nachzug zu unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. Hilfreich für die Praxis können dabei u.a. die Hinweise zum Klageverfahren bei Nachzugsfällen sein.
Zu finden unter folgendem Link.